Viele Hobbygärtner:innen greifen zum Spaten, um den Boden vor der Aussaat umzugraben. Doch ist das wirklich die beste Methode, oder schadet es den Bodenlebewesen? Hier eine Einschätzung und Alternativen.
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Gartenarbeit ist Handarbeit. | Foto: Pixabay
Das Umgraben des Bodens gehört für viele Gärtner:innen zur Routine, dabei hat es weitreichende Folgen für das ökologische Gleichgewicht. Beim Umgraben wird die oberste Erdschicht gelockert und gewendet, wodurch Pflanzenreste in tiefere Bodenschichten gelangen. Das bringt jedoch das natürliche Bodengefüge durcheinander, unterbricht wichtige Nährstoffkreisläufe und kann das Pflanzenwachstum negativ beeinflussen. „Aus ökologischer Sicht ist das Umgraben des Bodens im Beet eher nicht zu empfehlen”, sagt Christian Bourgeois, Initiator der Bienenretter. Denn auch unterirdisch nistende Wildbienenarten könnten dadurch getroffen werden sowie andere wichtige Insekten.
Hier sind die wichtigsten Gründe gegen das Umgraben:
- Bodenleben schützen: Das Umgraben stört und zerstört Bodenorganismen wie Regenwürmer, Pilze und Bakterien. Diese Organismen sind essenziell für die Bodenfruchtbarkeit, da sie organisches Material zersetzen und Nährstoffe pflanzenverfügbar machen. Auch unterirdisch nistende Bienenarten können davon beschädigt werden.
- Bodenstruktur bewahren: Der Boden besteht aus verschiedenen Schichten, die jeweils eigene Funktionen haben. Beim Umgraben werden diese Schichten durcheinander gebracht, was dazu führen kann, dass nützliche Mikroorganismen und Pilze nicht mehr optimal arbeiten können.
- Humusaufbau fördern: Ein gesunder Boden hat eine stabile Krümelstruktur, die Wasser speichert und Erosion verhindert. Häufiges Umgraben kann diese Struktur zerstören und langfristig die Bodenqualität verschlechtern.
- CO₂-Ausstoß vermeiden: Beim Umgraben gelangt Sauerstoff in tiefere Bodenschichten, wodurch organisches Material schneller abgebaut wird. Das setzt Kohlendioxid (CO₂) frei, was klimaschädlich ist.
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Wann ist Umgraben notwendig?
In einigen Fällen ist das Umgraben dennoch sinnvoll:
- Bei stark verdichtetem Boden: Wenn der Boden sehr hart oder stark verdichtet ist, sodass Wasser nicht einsickern kann, kann einmaliges tiefes Umgraben helfen. Alternative: Statt Umgraben eine Grabegabel oder einen Sauzahn nutzen, um den Boden nur zu lockern.
- Bei Flächen mit dichter Grasnarbe oder unerwünschtem Bewuchs: Wenn die Fläche eine dichte Grasdecke oder viele Wurzelunkräuter (z. B. Quecke, Giersch) hat, kann Umgraben helfen, diese zu entfernen. Alternative: Die Grasnarbe mit einer Mulchschicht (z. B. Karton + Mulch) ersticken und nach einigen Monaten einsäen.
- Bei stark humusarmen oder nährstoffarmen Böden: In ausgelaugten Böden kann Umgraben helfen, organisches Material (z. B. Kompost, Sand bei schweren Böden) einzuarbeiten. Alternative: Flach einarbeiten oder direkt auf die Oberfläche geben und von Regenwürmern einarbeiten lassen.
- Wenn man fette Böden abmagern möchte und in Magerrasen umwandelt, indem man ihn mit Sand vermischt.
- Auch bei überdüngten Böden oder bei ungünstigen pH-Werten kann Umgraben sinnvoll sein und zur Bodenverbesserung beitragen.
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Umgraben?
Man kann den Bodenlebewesen mit dem richtigen Zeitpunkt des Grabens entgegenkommen. Aus Sicht der Gärtner:innen eignet sich das Frühjahr und der Herbst, wenn es keinen Frost mehr gibt und die Erde lockerer ist.
- Im Herbst: Das Umgraben bis Ende Oktober (frühzeitig vor dem ersten Bodenfrost) verhindert, dass Bodenlebewesen beim Wenden des Bodens an die Oberfläche gelangen, vom Winterfrost überrascht werden und sterben. Wenn möglich, sollte man auf Umgraben im Herbst verzichten.
- Im Frühjahr: Hier bleibt die Bodenstruktur zumindest über den Winter erhalten und die Lebewesen in der Erde sind vor der Kälte geschützt. Dafür muss man jedoch das Ende des Bodenfrosts abwarten.
Was sind schonende Alternativen zum Umgraben?
Durch das Umgraben kann ein Teil der Humusschicht verloren gehen. Die Abnahme von nur 1 Prozent Humus kann bis 60 Tonnen CO₂ je Hektar freisetzen. Das entspricht etwa durchschnittlich dem CO₂-Ausstoß eines Deutschen über 10 Jahre. Diese Methoden erhalten das natürliche Bodenleben und fördern die Nährstoffversorgung für gesunde Pflanzen und können die Humussicht teils sogar aufbauen.
- Mulchen & Minimalbodenbearbeitung: Im Spätsommer oder Herbst kann eine Mulchschicht aus Laub, halbreifen Kompost und Ernteresten ausgebracht werden. Diese schützt den Boden vor Temperaturschwankungen, Verschlämmung und Unkrautwuchs.
- Gründüngung: Gründünger wie Phacelia oder Gelbsenf können ebenfalls ausgesät werden. Die Pflanzen sollten vor der Samenbildung gemäht und als Mulchschicht über den Winter liegen gelassen werden.
So geht die Bodenvorbereitung im Frühjahr für Beete:
- Mulchschicht mit einem Rechen entfernen.
- Boden mit einem Sauzahn, Kultivator oder einer Erdkralle auflockern, ohne ihn zu wenden.
- Unkraut und Pflanzenreste mit einer Harke beseitigen.
- Reifen Kompost einarbeiten, soweit nötig.
- Zwei Wochen warten, bis sich der Boden setzt.
- Vor der Aussaat den Boden erneut mit einem Rechen glattziehen und lockern
Fazit: Anstatt den Boden umzugraben, ist es ökologisch oft sinnvoller, auf Methoden wie Mulchen, Flachhacken oder Gründüngung zu setzen. Dadurch bleibt das Bodenleben intakt und die Bodenfruchtbarkeit verbessert sich nachhaltig. Lass den Spaten also einfach mal im Gartenschuppen.