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Der Erstfrühling klopft an: Warum der kalendarische und phänologischer Frühlingsbeginn sich unterscheiden

Der Winter zieht sich langsam zurück, die ersten Sonnenstrahlen wärmen den Boden Temperaturen in Richtung 20 Grad – und doch lässt die Blütenpracht auf sich warten. Der kalendarische Frühlingsbeginn fällt in diesem Jahr auf den 20. März 10:01 Uhr, aber die Natur noch nicht so weit. Der Phänologische Kalender ist der Kalender der Natur, der von Zeigerpflanzen bestimmt wird. Zwar sahen wir schon Krokusse und Osterglocken, aber Sträucher und Bäume lassen noch auf sich warten. Also noch stecken wir im phänologischen Vorfrühling.

Honigbiene an Weidekätzchen | Foto: Pixabay

 

Erst wenn Salweide ihre Weidekätzchen zeigt, die Forsythie blüht und die Stachelbeere ihre Blätter ausfährt, dürfen wir den phänologischen Erstfrühling willkommen heißen. Mit der Haselblüte hat am 4. Februar der Vorfrühling begonnen, der im langjährigen Mittel 43 Tage dauert. Nur einige Salweiden und vereinzelte Fosythien beginnen zu blühen in Deutschland - allerdings noch zu wenig für einen Erstfrühling. Während wir uns über die ersten warmen Tage freuen, bedeutet dieser bevorstehende Neuanfang für unsere summenden Freunde, die Bienen, weit mehr als nur einen Tapetenwechsel in der Natur. 

 

Warum der Erstfrühling für Bienen so wichtig ist

Stellt euch vor, ihr habt den ganzen Winter über nur von euren Vorräten gelebt – genau das passiert mit Bienen. Doch jetzt beginnt die Saison, in der frischer Pollen und süßer Nektar wieder sprudeln. Besonders wertvoll im Erstfrühling ist die Salweide: Ihre goldenen Kätzchenblüten sind eine der ersten und wichtigsten Nahrungsquellen für Honig- und Wildbienen, die nach dem entbehrungsreichen Winter dringend neue Energie benötigen.

 

Herausforderungen für die summenden Frühaufsteher

So schön der Frühlingsbeginn auch ist – für Bienen kann er durchaus tückisch sein. Plötzliche Kälteeinbrüche halten sie davon ab, auszufliegen und sich zu stärken. Zudem kann der Klimawandel die Blühzeiten der Pflanzen verschieben, sodass Nahrungsquellen nicht immer dann bereitstehen, wenn die Bienen sie am meisten brauchen. Nahrungsquelle der Frühblüher des Vorfrühlings können versiegen, ohne dass die Nahrungsquellen des Erstfrühlings bereitstehen.

 

Hummel an Salweide
Hummel an Salweide | Foto: Pixabay
Forsythien-Strauch
Forsythien-Strauch | Foto: Pixabay
Blatt der Stachelbeere
Blatt der Stachelbeere | Foto: Pixabay

 

Was passiert im Honigbienenvolk?

Zwar hat die Entwicklung des Volks und damit die Bruttätigkeit der Königin schon mit der Haselblüte im Vorfrühling begonnen. Im Erstfrühling verstärkt sich diese Tätigkeit aber enorm. Da jetzt auch die neuen Bienen Pollen und Nektar herbeibringen. Ein Zeichen für die Königin, ihre Eiablage zu beschleunigen. Der eiweißreiche Pollen ist für die Fütterung der Brut von großer Bedeutung, reist der Nachschubstrom jetzt für eine länger Zeit ab, kann das Volk in kürzester Zeit zusammenbrechen.

So kannst du den Bienen helfen

Jeder von uns kann dazu beitragen, dass Bienen einen optimalen Start in den Frühling haben:

  • Pflanze Frühblüher: Krokusse, Blausternchen oder Salweide sind perfekte erste Nahrungsquellen.

  • Säe Bienenfutter: Damit Bienen auch etwas über das ganze Jahr haben, säe viele blühende Wild- und Kulturpflanzen.

  • Biete Nistplätze an: Etwas Totholz im Garten hilft Wildbienen enorm.

Fazit: Ein Frühling ohne Bienen? Unvorstellbar!

Der phänologische Erstfrühling markiert den Startschuss für die Natur – und für unsere Bienen. Ohne sie würde die Bestäubung vieler Pflanzen leiden und unsere Artenvielfalt leiden. Also, raus in den Garten, Bienenfutter säen und den Frühling genießen – gemeinsam mit den Bienen!

 

Artikel: Christian Bourgeois